Siamend Hajo & Eva Savelsberg:
Yezidische Kurden in Celle: Eine qualitative Untersuchung
Ziel dieses Beitrags ist es, Einblicke in das Verhältnis der in Celle lebenden YezidInnen untereinander und zur Mehrheitsbevölkerung zu geben. Dies geschieht in erster Linie auf der Basis qualitativer Interviews mit yezidischen RespondentInnen und unter Berücksichtigung religionswissenschaftlicher und migrationssoziologischer Forschungsergebnisse. Zunächst werden Spezifika der Struktur des yezidischen Glaubens und ihre gesellschaftlichen Konsequenzen untersucht. Im Anschluss daran wird das Verhältnis zwischen YezidInnen und Mehrheitsgesellschaft näher betrachtet. Dieses ist vor allem durch geringe Kontakte auf der privaten Ebene geprägt, auch bei in der Bundesrepublik Deutschland aufgewachsenen YezidInnen; ein Verhältnis, dass sich auch in anderen Migrationsstudien als klassisch für die Beziehungen zwischen Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft und den MigrantInnen herausgestellt hat. Die Autoren berücksichtigen bei der Erklärung dieses Phänomens u. a. Aspekte wie die Erfahrung von Rassismus und Diskriminierung durch die MigrantInnen und Fremdethnisierung derselben durch die Aufnahmegesellschaft. Gleichzeitig betonen sie, dass MigrantInnen nicht ausschließlich als Opfer solcher Mechanismen betrachtet werden dürfen, da sie selbst das Verhältnis zur Mehrheit aktiv und auf der Basis eigener Wertvorstellungen gestalten. Die Autoren setzen sich weiterhin mit den Vorstellungen ihrer InterviewpartnerInnen zum Begriff »Heimat« auseinander. Dabei wird u. a. deutlich, dass private Kontakte zur Mehrheitsgesellschaft keine Voraussetzung dafür sind, die Bundesrepublik Deutschland als Heimat zu begreifen, sondern dass dies durch die Integration in die yezidische Bezugsgruppe möglich ist. Mit dem angeblich illegalen Kauf von Häusern durch YezidInnen und der vorgeblichen Entführung yezidischer Jugendlicher werden zwei Aspekte thematisiert, die die YezidInnen Celles in den letzten Jahren in die Schlagzeilen gebracht haben. Dabei wird herausgearbeitet, wie bestimmte Ereignisse von deutscher ebenso wie von kurdischer Seite für politische Zwecke instrumentalisiert wurden. Abschließend wird kritisch hinterfragt, ob und inwiefern in Bezug auf das von deutscher Seite häufig als problematisch beschriebene Verhältnis zwischen YezidInnen und Mehrheitsgesellschaft Handlungsbedarf besteht.
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