Sabine Skubsch:
Das Bildungswesen der Türkei aus kurdischer Perspektive


Das Bildungswesen in den kurdischen Provinzen der Türkei ist von Unterentwicklung und dem Bestreben der Zentralregierung geprägt, durch die Institution Schule die überwiegend kurdischsprachige Bevölkerung zu assimilieren. Durch Nichtversorgung der abgelegenen ländlichen Gebiete, Lehrermangel und schlechte Ausstattung der Schulen liegt die Analphabetenrate der kurdischen Bevölkerung über dem Landesdurchschnitt. Die kemalistische Ideologie einer »unteilbaren« Türkei führte zu einer Zentralisierung des Schulwesens, das die Partizipation der kulturell und sozial heterogenen Regionen ausschließt, da das im Bildungswesen von der Vorschule bis zur Universität allgegenwärtige Prinzip des (türkischen) Nationalismus auf wenig Akzeptanz bei der nichttürkischen Bevölkerung stößt. Lebenserfahrungen und vorhandene Ressourcen werden von der Schule ignoriert und soziale Strukturen, die nicht der Doktrin eines einheitlichen türkischen Staatsvolkes entsprechen, bekämpft. Der Schule gelingt es deswegen kaum, zu einer sozialen Entwicklung der kurdischen Gebiete beizutragen. Nur eine politische Dezentralisierung würde auch der Schule den Raum geben, durch mehr Eigenständigkeit und Selbstbestimmung das Bildungswesen dem regionalen Bedarf anzupassen.

 

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