Klaus Jünschke:
»Unbewusst habe ich das gemacht« - Als unbegleiteter jugendlicher Flüchtling in Köln


In Köln stellen allochthone Jugendliche seit den 1990er Jahren mehr als zwei Drittel aller Untersuchungsgefangenen, im Jugendstrafvollzug in Nordrhein-Westfalen seit Ende der 1990er Jahre die Hälfte aller Inhaftierten - Tendenz steigend. Der vorliegende Aufsatz präsentiert Teilergebnisse eines Forschungsprojektes der Forschungsstelle für interkulturelle Studien (FiSt) der Universität zu Köln, dessen Ziel es ist, die Ursachen dieser Überrepräsentation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu untersuchen. Zu diesem Zweck wurden im Frühjahr 2000 vierundzwanzig narrative biografische Interviews mit jugendlichen Migranten in insgesamt drei Gefängnissen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Das in diesem Aufsatz analysierte Interview mit einem jungen kurdischen Flüchtling aus der Türkei, der Ende 1999 in Köln beim Überfall auf eine Spielhalle vierhundert Mark erbeutete, zeigt exemplarisch, wie Verweigerung von Integration und Kriminalisierung ineinander übergehen können. Es macht deutlich, dass die so oft von Politik, Polizei und Medien beschworene »importierte Kriminalität« häufig das Etikett »made in Germany« verdient.

 

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